2020-10-09 Ende der Saison

Leider ist ein viel zu kurzes Bootsjahr vorbei. Ein Schaden am Propeller und ein kleiner Virus haben die Saison deutlich verkürzt.

Eine kleine Unachtsamkeit bei der Einfahrt in den Hafen von Ærøskøbing und der Steuerbordpropeller war beschädigt. Was zunächst so aussah, als wäre nur ein Propellerblatt verbogen, stellte sich an Land als größere Sache heraus. Auch der Wellenbock war verbogen. Und ob die Welle, das Wellenlager, der Motor etwas abbekommen haben, musste ein Gutachter klären.

Am Ende stellte sich heraus, dass „nur“ Propeller und Wellenbock in Mitleidenschaft gezogen waren. Immerhin fast 20.000€ – bei der Versicherung war man „not amused“.

Am 03.07.2020 kam unser Boot endlich wieder ins Wasser.

Ab dem 30.07.2020 machten wir dann den einzigen richtigen Bootsurlaub in diesem Jahr. Zunächst eine Woche zusammen mit Bernd, Letizia und Sheila, verbrachten das Fendergirl und der Skipper eine weitere Woche alleine an Bord. Dazu gibt es einen eigenen Reisebericht .

Nun neigt sich das Jahr dem Ende zu, die Tage werden kürzer, die Nächte kälter und das Wetter unbeständiger. Unser Boot soll wieder in die Halle.

09.10.2020

Frühmorgens um 03:45 Uhr fahren wir los. 750 Kilometer liegen vor uns. Durch den frühen Start ersparen wir uns die Rush-Hour bei Frankfurt. Wir teilen die Autobahn mit nur wenigen LKW.

Die Fahrt vergeht wie im Flug, und wir sind schon nach etwas über sieben Stunden am Ziel – ohne Unfälle, ohne Staus, nicht einmal stockender Verkehr. Frankfurt, Kassel, Gießen, Göttingen, Hannover, Hamburg – vor allem Elbtunnel – passieren wir ohne Probleme.

Am Boot ist alles in Ordnung. Natürlich checke ich als Erstes die elektrische Anlage. Eine Firma hat uns zwei alte Hausbatterien durch eine neue AGM-Batterie ersetzt und die Stromversorgung überholt. Kurz gesagt – ich bin begeistert. Die haben sauber gearbeitet, alles funktioniert. Die 12V-Anlage zeigt stabile 14V Spannung.

Als Nächstes gehen wir Lebensmittel einkaufen und genießen den Abend in einem mollig warmen Salon, denn die Klimaanlage wärmt bestens.

10.10.2020

Die erste Nacht war super. Windstill, kaum Geräusche und nur ganz leichtes Schaukel schenken uns einen guten Schlaf. Vielleicht haben die beiden Moonriser (Übersee-Rum) auch ein wenig nachgeholfen. Zum Frühstück gibt es Wildlachs

Wir fahren an den Falckensteiner Strand und machen eine „Wattwanderung“.

Okay, die Ostsee hat keine Gezeiten, aber ein anhaltender SW-Wind treibt das Wasser aus der Kieler Förde und legt den Strand auf locker 100m trocken. Wir sammeln ein paar Muscheln und an der Deichperle, einem kultigen Ausflugslokal am Deich, Walnüsse. Der Herbst beschert ein Meer aus Früchten und Farben. Ich denke über ein selbstgemachtes Walnussbrot mit Quittengelee und Hagebuttentee nach 🙂

11.10.2020

Wir wollen uns andere Klappstühle für das Boot kaufen und machen uns auf ins IKEA. Dort erwarten uns 50m lange Kundenschlangen am Aufzug und vor dem Eingang. Leider beachtet eine nicht geringe Zahl von Kunden nicht die Coronaregeln. Sie stehen dicht bei dicht in der Schlange und tragen auch keine Masken. Wir drehen um und ab.

Stattdessen fahren wir gegenüber in den CITTI-Park. Werner bekommt einen gemütlichen Jogginganzug und zwei herbstliche Rollies. Und im Bauhaus bekomme er einen neuen Akkuschrauber fürs Boot…..ja ist denn heut‘ schon Weihnachten?

Am Nachmittag spazieren wir ein wenig an der „Waterkant“ auf dem MFG5-Gelände, dem Gelände des ehemaligen Marinegeschwaders 5. Wir genießen den schönen Herbsttag und finden ganz nebenbei fünf Geochaches.

12.10.2020

Wir brechen auf in Richtung Schlei. Das Wetter ist genial. Es ist fast windstill und die Sonne wärmt die Flybridge auf.

Unterwegs – etwa auf Höhe des Kieler Leuchtturms – erfüllen wir unser Versprechen, das wir einer unbekannten Mandy gaben. Sie hatte ihren Trennungssschmerz in einem langen Brief niedergeschreiben und diesen mittels Flaschenpost auf die Reise geschickt. Diese endete – vermutlich aufgrund der Windlage – nach sehr kurzer Zeit in unseren Hafen.

Schon bald kommt der grün-weiße Leuchtturm der Lotseninsel in Sicht und zeigt uns die Einfahrt in die Schlei an.

Jetzt, da die Saison für die meisten vorbei ist, wage ich es, mir den winzigen Hafen der Lotseninsel anzuschauen. Wir fahren kurz hinein, drehen uns einmal im Kreis und machen uns dann auf den Weg nach Maasholm. Mit einem guten Manöver legen wir an der Außenmole an – Steg F.

Ein Matjesbrötchen und ein Maasholmer (Fischburger) zur Begrüßung, ein Spaziergang durch den Ort und dann zum Hafenmeister.

Ein wunderschöner Abend erfreut die Seele.

13.10.2020

Abfahrt um 08.30 Uhr. Auf der Schlei begegnen sich zwei Frühaufsteher in ihren Segelbooten. Der frühe Morgen beschert uns einen stimmungsvollen Frühnebel. Ein riesiger Schwarm vom Kormoranen kommt aus dem Bäumen auf der gegenüberliegenden Seite über die Schlei geflogen und lässt sich im Flachwasser vor der Lotseninsel nieder.

Wir verlassen die Schlei und biegen in den Hafen Olpenitz ein. Ich möchte mir die Hafenanlage für spätere Besuche anschauen. Und insgeheim hoffe ich, dort eine Anlage zum Leeren des Abwassertanks zu finden – leider vergeblich.

Wir biegen nach Steuerbord in die Bucht von Eckernförde ein. Dann sehen wir sie, eine kleine Familie von Schweinswalen. Natürlich wieder kein Handy griffbereit. Und dann, zehn Minuten später sehen wir zum zweiten Mal heute diese scheuen Tiere. Ob es die gleichen sind oder eine andere Familie, wissen wir natürlich nicht. Aber diesmal habe ich wenigsten das Handy in der Hand.

In Eckernförde legen wir parademäßig an. Es gibt nichts Peinlicheres, als ein mißglücktes Anlegemanöver, wenn Dutzende Touristen zuschauen. Das bleibt uns erspart. Wir leeren den Abwassertank und legen ebenso professionell ab. Einem kleinen Bub scheint das gefallen zu haben, denn er ruft uns Grüße hinterher.

Die Rückfahrt nach Kiel ist einfach nur schön. Auf der Flybridge ist es warm. In unserem Hafen machen wir ohne Probleme fest. Unser Abendessen gibt es im „Al Gambero“, einem sehr empfehlenswerten Italiener. Es ist schön, zu sehen, wie aufmerksam die Damen im Service und alle Gäste die Hygieneregeln beachten.

14.10.2020

Der Wind hat auf NO gedreht und drückt nun innerhalb kürzester Zeit wieder das Wasser zurück in die Kieler Förde. Ruckzuck haben wir einen Meter über normal – und es steigt weiter. Ein freundlicher Werftarbeiter hat uns schon früh am Morgen einen Hocker vor den Bug gestellt.

Von der Werft erfahren wir, dass unser Boot vermutlich nicht wie geplant in der nächsten Woche aus dem Wasser kann. In der großen Sliphalle, in der unser Schatz Winterschlaf halten soll, wird noch an einer anderen Yacht gearbeitet. Da wir das nicht absitzen wollen, entscheiden wir spontan, nach Hause zu fahren.

Das Sturmtief Gisela, zu dem der NO-Wind gehört, gibt den letzten Ausschlag, die Heimreise anzutreten. Inzwischen liegen wir 1,5m über Normal. Die Sorgleinen des Boots liegen jetzt schon auf dem Wasser. Wellen schwappen auf den Steg. Unserem Boot macht das nichts aus, das liegt genauso tief im Wasser wie immer. Auch den Möwen, die im Hafenbecken schwimmen, geht das Wasser nur bis zum Bauch.

In aller Ruhe – aber zügig – packen wir, leeren das Wassersystem, laden das Auto und fahren um 12:45 los.

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